Das Qi

Qi ist zugleich Masse und Energie. Alle Lebensformen sind Ausdruck von Qi in verschiedenen Stufen der Materialisierung. So sind z.B. Körperstrukturen eine feste, materielle Erscheinungsform von Qi, wohingegen der Geist / SHEN eine sehr immaterielle Erscheinungsform darstellt.

Qi im menschlichen Organismus stammt aus verschiedenen Quellen, z.B. Atmung, Nahrung, aber auch aus der sog. "vorgeburtlichen Essenz", welche wir von unseren Eltern mitbekommen - man könnte sagen, aus unseren Erbanlagen.

Meridiane sind laut TCM ein System von Leitbahnen. Es gibt 12 Hauptmeridiane, wobei jeweils ein Yin- und ein Yang-Meridian miteinander gekoppelt ist.

Yin-Lunge: Brustkorb zu den Fingerspitzen Yang-Dickdarm: Finger zum Gesicht
Yang-Magen: Gesicht zu Zehenspitzen Yin-Milz/Pankreas: Zehenspitzen zu Brustkorb
Yin-Herz: Brustkorb zu Fingerspitzen Yang-Dünndarm: Fingerspitzen zu Gesicht
Yang-Blase: Gesicht zu Zehenspitzen Yin-Niere: Zehenspitzen zu Brustkorb
Yin-Kreislauf / Pericard: Brustkorb zu Fingerspitzen Yang-3Erwärmer: Fingerspitzen zu Gesicht
Yang-Gallenblase: Gesicht zu Zehenspitzen Yin-Leber: Zehenspitzen zu Brustkorb

Auf diesen sowie auf weiteren Sondermeridianen liegen die Akupunkturpunkte, auf den o.g. sind dies alleine schon 361.

Der gleichmäßige Qi-Fluß kann nun gestört werden durch äussere und innere Pathogene, d.h. krankheitsauslösende Faktoren.

Äußere pathogene Faktoren sind (vgl. Tabelle): Wind, Hitze, Feuchtigkeit, Trockenheit und Kälte.
Innere pathogene Faktoren sind (vgl. Tabelle): Wut, Zorn, Frustration; Freude, Erregung; Grübeln, Sorgen; Traurigkeit, Reue; Angst.

Die äußeren und inneren krankmachenden Faktoren wirken sich nun insbesondere negativ auf das dazugehörige Organsystem aus. Beispiel: Kälte schädigt das Organsystem Niere/Blase.
Wut und Zorn sowie unterdrückte Emotionen greifen die Leber an.

Der Therapeut hat nun die Aufgabe, das einer gesundheitlichen Störung zugrundeliegende Dysharmoniemuster oder das energetische Ungleichgewicht herauszufinden.

Dies geschieht durch: Befragung/Anamnese - Schauen - Hören/Riechen -Tasten. Wichtige diagnostische Methoden sind insbesondere die Zungen- und Pulsdiagnostik, wohingegen technische Verfahren und Laborwerte keine Rolle spielen. Früher haben auch die Hausärzte bei uns sich die Zunge zeigen lassen, vielleicht können sich einige unter uns noch daran erinnern (...sag doch mal aaaaa...), dies ist jedoch vollkommen aus der Mode geraten.

Beurteilt werden Form und Farbe des Zungenkörpers sowie der Belag. Kleiner, blasser und dünner Zungenkörper deutet dabei eher auf Energieleere hin; dicke, rote Zunge eher auf Energiefülle.

Weißer Belag bedeutet Kälte, gelber Belag bedeutet Hitze, z.B. bei fieberhaften Erkrankungen; schmieriger Belag bedeutet Feuchtigkeits- und Schleimansammlung.

Wesentlich schwieriger zu erlernen ist die Pulsdiagnostik, hier bedarf es langjähriger Erfahrung und Übung. Pulstaststellen rechts: Lunge-Milz-Niere, links: Herz-Leber-Niere. Wichtig ist, dass der Therapeut sich vor Beginn der Behandlung  ein Bild vom energetischen Zustand des Patienten machen kann. Hierbei wendet er die acht diagnostischen Kriterien BA GANG an. Handelt es sich bei der Erkrankung um

Kälte - Wärme
Leere - Fülle
Innen - Außen
letztlich: Yin - Yang

Sehr einfaches Beispiel: Schnupfen.
Kälte - Fülle - Außen - Yang. In welchem Meridiansystem spielt sich die Erkrankung ab?
Lunge - Dickdarm Daraus kann ich das Therapieprinzip ableiten:
Ich möchte die Kälte vertreiben, die Fülle beseitigen und das zugrundeliegende Organsystem Lunge stärken. Nach diesen Prinzipien wähle ich nun meine Akupunkturpunkte, welche bevorzugt auf dem Lu- und Di-Meridian liegen werden. (Di 4/Hegu).

Wesentlich komplizierter gestalten sich die Überlegungen bei inneren und chronischen Erkrankungen, welche aber ein wichtiger Anwendungsbereich der Akupunktur sind. Die Akupunktur wird praktisch in jedem Fachgebiet mit Erfolg eingesetzt.
Es gibt von der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, eine Liste der Anwendungsbereiche.




 
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